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Methoden

Conjoint-Analyse: Zahlungsbereitschaft und Produktpräferenzen realistisch messen

September 2026 6 Min. Lesezeit
Aydin Nasseri
Aydin NasseriGeschäftsführer, Cogitaris GmbH

Was ist Ihren Kund:innen ein Produktmerkmal wert – und welchen Preis akzeptiert der Markt dafür? Die Conjoint-Analyse beantwortet diese Fragen mit realistischen Kaufentscheidungen statt mit direkten Preisfragen. Sie gilt als das leistungsfähigste Verfahren der Präferenz- und Preisforschung.

In diesem Artikel erklären wir, wie die Methode funktioniert, was sie liefert und wann sie das richtige Instrument ist. Einen Vergleich mit anderen Preisforschungsverfahren finden Sie in unserem Überblicks-Artikel zur Preisforschung.

Was ist eine Conjoint-Analyse?

Die Conjoint-Analyse (von „considered jointly“ – gemeinsam betrachtet) ist ein Verfahren, das Präferenzen und Zahlungsbereitschaften aus Entscheidungen zwischen Produktalternativen ableitet. Statt zu fragen „Wie wichtig ist Ihnen der Preis?“ oder „Was würden Sie maximal zahlen?“, legt sie den Befragten vollständige Produkte vor – mit Marke, Ausstattung und Preis – und lässt sie wählen, wie im Regal oder im Online-Shop.

Der Vorteil: Direkte Preisfragen liefern häufig verzerrte Antworten, weil Befragte taktisch niedrige Werte nennen oder einzelne Merkmale isoliert überbewerten. In einer Auswahlentscheidung dagegen müssen sie abwägen – mehr Leistung gegen höheren Preis, starke Marke gegen bessere Ausstattung. Genau dieses Abwägen entspricht dem realen Kaufverhalten.

Als Standard hat sich die Choice-Based Conjoint (CBC) etabliert: Befragte wählen in mehreren Durchgängen jeweils eine Alternative aus einem sogenannten Choice-Set – oder lehnen alle ab. Für schlankere Fragestellungen, etwa die reine Priorisierung von Merkmalen ohne Preisdimension, ist das Maximum-Difference-Scaling eine verwandte Alternative.

Die Conjoint-Analyse fragt nie direkt nach der Zahlungsbereitschaft – sie beobachtet Entscheidungen zwischen vollständigen Produktalternativen und rechnet daraus zurück, welchen Wert jedes einzelne Merkmal hat.

Wie funktioniert die Abfrage?

Zunächst wird das Produkt in seine Merkmale (Attribute) und deren Ausprägungen (Level) zerlegt. Bei kabellosen Kopfhörern könnten das sein: Akkulaufzeit (20, 30, 40 Stunden), Geräuschunterdrückung (ohne, aktiv), Garantie (2, 3 Jahre) und Preis (129, 179, 249 €). Ein statistisches Erhebungsdesign kombiniert diese Ausprägungen zu Produktprofilen, die in Choice-Sets gegeneinander antreten.

Jede befragte Person durchläuft typischerweise 8 bis 12 solcher Auswahlaufgaben. Das wirkt auf den ersten Blick nach wenig Information – über alle Teilnehmenden hinweg entsteht jedoch eine Datenbasis, aus der sich der Einfluss jedes Merkmals präzise schätzen lässt.

Beispiel-Choice-Set

„Welches dieser Produkte würden Sie kaufen?“ – eine von mehreren Auswahlaufgaben

Produkt A
Akkulaufzeit20 Stunden
Geräuschunterdrückungohne
Garantie2 Jahre
Preis129 €
Produkt B
Akkulaufzeit30 Stunden
Geräuschunterdrückungaktiv
Garantie2 Jahre
Preis179 €
Gewählt
Produkt C
Akkulaufzeit40 Stunden
Geräuschunterdrückungaktiv
Garantie3 Jahre
Preis249 €

Aus vielen solcher Entscheidungen berechnet die Conjoint-Analyse, welchen Beitrag jedes einzelne Merkmal zur Wahl leistet.

Entscheidend ist die Qualität des Designs: Die Zahl der Merkmale muss begrenzt bleiben (in der Praxis meist 4 bis 7), die Ausprägungen müssen realistisch und trennscharf sein, und die Preisspanne muss den relevanten Marktbereich abdecken. Fehler an dieser Stelle lassen sich in der Auswertung kaum noch korrigieren – deshalb investieren wir hier besonders viel Sorgfalt.

Sie überlegen, ob eine Conjoint-Analyse zu Ihrer Fragestellung passt? Wir prüfen das gerne gemeinsam mit Ihnen – unverbindlich und auf den Punkt.

Kostenfreie Erstberatung

Was liefert die Auswertung?

Aus den beobachteten Entscheidungen berechnet die Analyse Teilnutzenwerte (Part-Worth Utilities): Zahlenwerte, die ausdrücken, wie stark jede einzelne Ausprägung zur Attraktivität eines Produkts beiträgt. Moderne Schätzverfahren (Hierarchical Bayes) liefern diese Werte sogar auf Ebene einzelner Personen – die Grundlage für Segmentierungen und zielgruppenspezifische Angebote. Die statistischen Grundlagen dahinter sind seit Jahrzehnten erprobt und gut dokumentiert.

Aus den Teilnutzenwerten ergeben sich drei zentrale Ergebnisgrößen:

  • Merkmalswichtigkeiten: Welchen Anteil hat jedes Merkmal an der Kaufentscheidung? So wird sichtbar, ob der Preis, die Marke oder ein Ausstattungsdetail den Ausschlag gibt.
  • Zahlungsbereitschaft je Feature: Wie viel Preisaufschlag kompensiert ein zusätzliches Merkmal? Beispiel: Aktive Geräuschunterdrückung ist den Befragten im Schnitt 35 € wert – kostet sie in der Herstellung aber nur 12 €, ist das ein klarer Margenhebel.
  • Preissensitivität: Wie stark reagiert die Nachfrage auf Preisschritte – und wo liegen Schwellen, an denen die Präferenz deutlich nachlässt?
Merkmalswichtigkeiten

Welchen Anteil jedes Merkmal an der Kaufentscheidung hat (Beispieldaten)

Preis
38%
Geräuschunterdrückung
27%
Akkulaufzeit
21%
Garantie
14%

Die Wichtigkeiten summieren sich auf 100 % und zeigen, welche Stellhebel die Kaufentscheidung wirklich bewegen.

Damit unterscheidet sich die Conjoint-Analyse grundlegend von direkten Preisabfragen wie der Van-Westendorp-Methode: Diese liefert schnell und günstig einen akzeptierten Preiskorridor für ein fertig definiertes Produkt – die Conjoint-Analyse dagegen bewertet jedes Merkmal einzeln und macht damit auch Produktkonfigurationen vergleichbar, die es noch gar nicht gibt.

Marktsimulation: Was passiert bei Preisänderung X?

Das wertvollste Ergebnis einer Conjoint-Studie ist der Marktsimulator. Weil die Teilnutzenwerte für jede Person vorliegen, lässt sich für jedes denkbare Produktszenario berechnen, welcher Anteil der Befragten sich dafür entscheiden würde – der sogenannte Share of Preference. Das Wettbewerbsumfeld wird dabei mitmodelliert: Ihr Produkt tritt in der Simulation gegen die relevanten Konkurrenzangebote an.

Typische Fragen, die der Simulator beantwortet:

  • Was passiert mit unserem Präferenzanteil, wenn wir den Preis von 179 € auf 199 € anheben?
  • Kompensiert ein zusätzliches Feature den höheren Preis – oder wandern Kund:innen zum Wettbewerb ab?
  • Welche Produktkonfiguration maximiert den Ertrag statt nur den Marktanteil?
  • Wie reagiert der Markt, wenn ein Wettbewerber seinen Preis senkt?
Share of Preference

Marktsimulation: Wie sich Präferenzanteile bei einer Preisänderung verschieben (Beispieldaten)

Ausgangsszenario: 179 €
34%
41%
25%
Simulation: Preiserhöhung auf 199 €
28%
46%
26%
Ihr ProduktWettbewerber AWettbewerber B

20 € mehr kosten in diesem Beispiel 6 Prozentpunkte Präferenzanteil – ob sich das rechnet, zeigt die Ertragsrechnung dahinter.

Der Share of Preference ist eine Präferenzgröße, keine Absatzprognose. Er zeigt Verschiebungen und Größenordnungen unter kontrollierten Bedingungen – für belastbare Umsatzprognosen wird er mit Marktdaten wie Distribution und Bekanntheit kalibriert.

Wie läuft ein Conjoint-Projekt ab?

Ein Conjoint-Projekt folgt einem klaren Ablauf: vom Studiendesign über die Befragung und die Nutzenschätzung bis zur Marktsimulation. Je nach Komplexität dauert der gesamte Prozess in der Regel vier bis acht Wochen – das Studiendesign ist dabei die Phase, die über die Qualität aller späteren Ergebnisse entscheidet.

Methodik

Die Conjoint-Analyse in vier Schritten

01
StudiendesignRelevante Merkmale und Ausprägungen festlegen – gemeinsam mit Ihrem Team, gestützt auf Vorstudien und ein statistisch effizientes Erhebungsdesign.
02
BefragungTeilnehmende entscheiden sich in mehreren Choice-Sets zwischen realistischen Produktalternativen – wie im Regal oder im Online-Shop.
03
NutzenschätzungAus den Entscheidungen werden Teilnutzenwerte und Merkmalswichtigkeiten berechnet – auf Ebene einzelner Personen oder Segmente.
04
MarktsimulationEin Simulationsmodell beantwortet Was-wäre-wenn-Fragen zu Preis, Ausstattung und Wettbewerb – als Grundlage für Ihre Produkt- und Preisentscheidung.

Conjoint-Analyse mit Cogitaris – vom Design bis zum Simulator

Als Institut für empirische Forschung begleiten wir Conjoint-Projekte über den gesamten Prozess: von der Auswahl der Merkmale über die Feldarbeit bis zum interaktiven Marktsimulator, mit dem Ihr Team eigene Szenarien durchspielen kann. Dabei beraten wir auch zur Methodenwahl selbst – wenn eine schlankere Lösung wie die Van-Westendorp-Methode Ihre Frage bereits beantwortet, sagen wir Ihnen das offen.

Unser Leistungsumfang

  • Studienkonzeption: Merkmals- und Ausprägungsdefinition, statistisch effizientes Erhebungsdesign, Stichprobenplanung und Feldsteuerung aus einer Hand
  • Nutzenschätzung: Hierarchical-Bayes-Modellierung mit professioneller Statistiksoftware – inklusive Qualitätsprüfung der Daten
  • Marktsimulator: Interaktives Tool für Ihre Preis- und Produktszenarien – auch nach Projektende nutzbar
  • Handlungsempfehlung: Klare Ableitungen zu Preissetzung, Produktkonfiguration und Positionierung – präsentiert in Entscheidervorlagen statt Statistik-Anhängen

Sie planen eine Preis- oder Produktentscheidung und wollen sie auf belastbare Daten stellen? Sprechen Sie mit uns – wir zeigen Ihnen, was eine Conjoint-Analyse für Ihren Fall leisten kann.

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