
In der Produktentwicklung, im Marketing oder im Service stellt sich immer wieder die gleiche Frage: Was zählt für den Kunden wirklich? Die Herausforderung: Wenn man Kund:innen direkt fragt, erhält man oft pauschale Antworten – alles scheint gleichermaßen relevant.
Genau hier setzt das Maximum Difference Scaling (Max-Diff-Verfahren) an – eine Methode, die echte Präferenzen sichtbar macht. Durch strukturierte Vergleichsabfragen lässt sich herausfinden, welche Eigenschaften tatsächlich den Ausschlag geben – und welche nur vermeintlich relevant sind. Das Verfahren ergänzt sich dabei hervorragend mit anderen Priorisierungsansätzen wie der Penalty-Analyse oder dem Kano-Modell.
- Alle Merkmale wirken gleich wichtig
- Skaleneffekte je nach Kultur
- Kein klares Ranking möglich
- Tendenz zur Mitte / sozialer Erwünschtheit
- Ergebnisse schwer priorisierbar
- Zwingt zu echten Vergleichsentscheidungen
- Kulturell robuste Ergebnisse
- Eindeutige relative Rangfolge
- Keine Skalenverzerrung
- Sofort handlungsrelevant
Was ist Maximum Difference Scaling?
In der Marktforschung geht es häufig darum, die Wichtigkeit von verschiedenen Attributen festzustellen und diese der Reihe nach zu sortieren. Produkte und Dienstleistungen können diverse Eigenschaften haben, die für den Kunden unterschiedlich wichtig sind.
Exemplarisch sei hier auf die Eigenschaften eines neuen Schuhs verwiesen: Für den einen Kunden sind vor allem Preis und Langlebigkeit wichtig, wobei Design und Vermarktung einen geringeren Stellenwert einnehmen. Bei anderen Kunden können ganz andere Eigenschaften eine Rolle bei der Kaufentscheidung spielen.
Würde man Kunden hinsichtlich dieser Attribute direkt befragen, wäre das Ergebnis nur eingeschränkt nützlich: Befragte geben häufig an, dass alle positiven Eigenschaften eines Produkts ihnen wichtig sind – eine eindeutige Rangliste lässt sich so nicht ableiten.
Das Max-Diff-Verfahren löst dieses Problem, indem der Befragte nicht nach absoluten Wichtigkeitswerten gefragt wird, sondern alle gewünschten Attribute miteinander vergleicht. Das Ergebnis: eine eindeutige, relative Rangfolge – die Grundlage für klare Handlungsempfehlungen.
Sie möchten wissen, welche Produkteigenschaften für Ihre Zielgruppe tatsächlich den Ausschlag geben? Wir beraten Sie gerne.
Kostenfreie ErstberatungSo funktioniert das Max-Diff-Verfahren
Das Herzstück des Verfahrens ist eine strukturierte Vergleichslogik. Statt alle Attribute einzeln zu bewerten, werden immer Gruppen von Attributen gezeigt. Der Befragte wählt dabei jeweils die wichtigste und die unwichtigste Eigenschaft aus der gezeigten Gruppe aus.
Wie ein Max-Diff-Projekt entsteht
Relevante Produkteigenschaften festlegen (typisch: 10–25 Attribute)
Gruppen von 4–5 Attributen per Experimental Design rotieren
Befragte wählen je Gruppe das Wichtigste und Unwichtigste
Multinomiale logistische Regression ergibt normierte Scores
Eindeutige Prioritätenliste als Basis für strategische Entscheidungen
Ablauf im Detail
- 1Zunächst wird eine Gruppe von Attributen gezeigt und der Befragte wählt diejenige Eigenschaft, die ihm am wichtigsten bzw. am unwichtigsten ist.
- 2Danach wird eine nächste Gruppe gezeigt und erneut die jeweilige Wichtigkeit bzw. Unwichtigkeit abgefragt.
- 3Nach einem kompletten Durchgang wurde jedes Attribut mit den anderen verglichen und differenziert.
Mit Hilfe einer multinomialen logistischen Regression werden anschließend die Werte errechnet, normiert und auf einer relativen Skala dargestellt. Es können damit eindeutige relative Aussagen hinsichtlich der Rangfolge der Wichtigkeiten getroffen werden. Grundlegende Statistik-Kenntnisse helfen beim Verständnis dieser Auswertungslogik.
Relative Wichtigkeitswerte (normiert auf 100%)
In diesem Beispiel ist die Eigenschaft „Passform“ mehr als doppelt so wichtig wie das Attribut „Langlebigkeit“ – ein eindeutiges Verhältnis. Die Werte der einzelnen Attribute sind durch ihre Normierung problemlos interpretierbar, da sie von 0 % bis 100 % reichen, wobei ein höherer Wert auf eine wichtigere Eigenschaft hinweist.
Das Max-Diff-Verfahren liefert nicht nur eine Rangfolge, sondern auch ein Maß für den Abstand zwischen den Attributen – ein entscheidender Vorteil gegenüber einfachen Ranking-Fragen.
Vorteile des Max-Diff-Verfahrens
Neben der einfachen Interpretation gibt es weitere Vorteile, die für eine Anwendung des Max-Diff-Verfahrens sprechen.
Hohe Reliabilität
Die Beantwortung simpler Vergleiche ist für Befragte intellektuell relativ einfach, da sie sich nur zwischen zwei Möglichkeiten entscheiden müssen – und nicht auf einer klassischen 10er-Skala positionieren. Das reduziert kognitive Überlastung und steigert die Datenqualität spürbar.
Kulturelle Robustheit
Etwaige Skaleneffekte bei internationalen Studien werden vorgebeugt. Je nach kulturellem Hintergrund werden bei klassischen Skalen tendenziell mehr negative oder positive Werte für dasselbe Konstrukt ausgewählt – beim Max-Diff-Verfahren entfällt dieser Verzerrungsfaktor, da Vergleiche kulturell stabiler funktionieren.
- Einfache Kommunizierbarkeit: Ergebnisse können ausdrücklich auch von fachfremden Personen sinnvoll und schnell interpretiert werden.
- Sofortige Priorisierung: Eine direkte Generierung der Rangfolge verschiedener Präferenzen ist möglich – ohne aufwändige Nachbearbeitung.
- Effiziente Erhebung: Selbst bei 20+ Attributen bleibt der Fragebogen kompakt und für Befragte zumutbar.
- Keine Tendenz zur Mitte: Die Forced-Choice-Logik verhindert neutrale Antworten und erzwingt echte Entscheidungen.
Lassen Sie uns gemeinsam herausfinden, welche Produkteigenschaften Ihre Kunden wirklich priorisieren – und wie Sie diese Erkenntnisse strategisch nutzen.
Kostenfreie ErstberatungWann lohnt sich Max-Diff nicht?
Die Nutzung des Verfahrens ist nicht immer geeignet, da sich nicht alle Eigenschaften eines Produkts sinnvoll miteinander vergleichen lassen. Es ist wichtig, diese Grenzen zu kennen, um das richtige Instrument für die jeweilige Fragestellung zu wählen. Für die Messbarkeit des Optimierungspotenzials eignet sich ergänzend die TURF-Analyse, die die Reichweite von Merkmalskombinationen berechnet.
Preise oder Pixelzahlen werden immer maximal präferiert – kein echter Vergleich möglich.
Präferenz impliziert keine Verhaltensänderung – dafür braucht es andere Verfahren.
Ergebnisse gelten für die Gesamtstichprobe – Einzelpersonen-Aussagen sind nicht valide.
Klare Priorisierung qualitativer Merkmale eines Produkts oder einer Dienstleistung.
Quantitative Leistungsfaktoren
Exemplarisch sei hier auf Preise oder andere quantitative Leistungsfaktoren verwiesen, die immer möglichst klein (z.B. der Preis) oder groß (z.B. die Anzahl der Pixel) präferiert werden. Ein Vergleich solcher Attribute würde triviale Ergebnisse liefern.
Kaufbereitschaft und Verhaltensänderungen
Diskrete Entscheidungen wie beispielsweise die Kaufbereitschaft können mit Max-Diff nicht gemessen werden, da eine Präferenz nicht notwendigerweise die Kaufbereitschaft impliziert. Eine Änderung des Verhaltens der Befragten lässt sich mit dem Verfahren demzufolge nicht abbilden.
Nur aggregierte Stichproben
Es ist außerdem zu betonen, dass mit der hier vorgeschlagenen Herangehensweise nur eine aggregierte Stichprobe analysiert werden kann. Aussagen basierend auf Bewertungen von einzelnen Befragten oder gebildeten Untergruppen sind nur eingeschränkt valide.
Das Max-Diff-Ergebnis sollte immer im Kontext mit anderen Verfahren betrachtet werden – etwa einer Penalty-Analyse oder dem Kano-Modell – um die Ergebnisse zusätzlich aus anderen Blickwinkeln beurteilen zu können.
Fazit: Maximum Difference Scaling – ein nützliches Instrument mit klaren Stärken
Insgesamt stellt das Max-Diff-Verfahren ein wertvolles Instrument der quantitativen Marktforschung dar. Es macht dort Klarheit, wo klassische Skalen versagen: bei der echten Priorisierung qualitativer Produktmerkmale aus Kundensicht.
Die wesentlichen Stärken im Überblick:
- Ergebnisse können ausdrücklich auch von fachfremden Personen sinnvoll und schnell interpretiert werden.
- Eine sofortige Generierung der Rangfolge verschiedener Präferenzen ist möglich.
- Kulturelle Verzerrungen durch Skaleneffekte werden zuverlässig vermieden.
- Forced-Choice-Design erzwingt echte Entscheidungen statt sozial erwünschter Pauschalantworten.
Gleichzeitig sollte das Ergebnis in jedem Fall im Kontext mit anderen Verfahren betrachtet werden, um die Ergebnisse zusätzlich aus anderen Blickwinkeln heraus beurteilen zu können. Bei Cogitaris setzen wir das Max-Diff-Verfahren gezielt ein, um Produkte, Services oder Markenmerkmale auf das zu fokussieren, was für Ihre Zielgruppe wirklich zählt. Die methodische Fundierung des Verfahrens ist in der Literatur gut belegt – eine einflussreiche Referenz bietet Sawtooth Software mit ihren technischen Papers zum Max-Diff-Verfahren.
Wir unterstützen Sie nicht nur bei der professionellen Durchführung der Erhebung – inklusive Fragebogen-Design, Sample und Auswertung –, sondern integrieren die Ergebnisse auf Wunsch auch in Ihre interaktiven Dashboards. So wird aus einer isolierten Präferenzmessung ein strategisches Werkzeug, das klare Handlungsimpulse liefert: für die Sortimentssteuerung, die Produktentwicklung oder das Messaging Ihrer Marke. Um die Relevanzen hinter den Präferenzen vollständig zu verstehen, kombinieren wir Max-Diff häufig mit einer Treiberanalyse auf Basis der Shapley Value Regression.
Sie möchten wissen, was Ihre Kunden wirklich wollen? Sprechen Sie mit uns – wir machen es sichtbar.
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