Marktforschung

Moderne B2B Marktforschung: Der Leuchtturm in einer Welt stürmischer Unternehmensdaten

Ein Leuchtturm im Datenmeer: DIe B2B Marktforschung

Eigentlich ist es schon paradox: Unternehmen verfügen heutzutage über den größten Datenschatz, den man sich vorstellen kann. CRM-Systeme, Websites, Business Analytics-Tools und viele mehr erzeugen Daten, die in der Theorie jeden Aspekt des Kundenverhaltens ausleuchten können. Daten, die – richtig angewandt – das Potenzial haben, auch als Grundlagen für Prognosen, Ausblicke und Innovationen zu dienen.

Doch die Realität sieht vielfach anders aus. Der Grund: Daten allein sind erst das Rohmaterial – und können erst im Kontext als Grundlage durchdachter Entscheidungen dienen. Und so sitzen Unternehmen derzeit auf einem Berg ungenutzter Daten: Vielfach gefangen in Datensilos, wenig zusammengeführt – und allenfalls in verschiedenen Excel- oder PowerPoint-Dateien aufbereitet.

Doch in diesem stürmischen “Meer an Daten” mit seinen Fluten, Brandungen und Untiefen gibt es durchaus Leuchttürme, die uns den Weg weisen können. Zu diesen Leuchttürmen gehört ohne Zweifel die Disziplin der Marktforschung, die auch und gerade im B2B-Kontext häufig eine absolut unterschätzte Rolle spielt.

Das ist verwunderlich: Denn eine gute Analyse beginnt eigentlich immer mit der soliden Marktforschung – und diese hat den Menschen und seine Bedürfnisse im Blick. Dies ist gerade im B2B von entscheidender Bedeutung: Anders als man zunächst denken sollte – spielen menschliche Emotionen und Faktoren in B2B-Kaufentscheidungen eine absolut zentrale Rolle. Wer also die Motivationen, Erwartungen und Befürchtungen von Menschen (Kunden, Zielgruppen, Buyer Personas) kennt und versteht – der kann basierend auf diesen Daten bessere Entscheidungen treffen.

Mit ihren bemerkenswerten methodischen und technologischen Fortschritten bietet die moderne B2B-Marktforschung zudem komplett neue Wege, aus reinen Daten auch echte Erkenntnisse und sogar fundierte Handlungsempfehlungen zu bieten.

Vieles rund um die Entwicklungen und Möglichkeiten der modernen B2B-Marktforschung finden Sie in unserem Blog. Klicken Sie sich doch einmal durch – und Sie werden staunen, wie verblüffend die Möglichkeiten für wahrhaft datengetriebene Entscheidungen sind – und dass der Weg dorthin Analyse erfordert, aber auch im hektischen Unternehmensalltag durchaus machbar ist.

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Doch werfen wir noch einmal einen Blick auf die Datensituation heute – und wie B2B-Marktforschung hier helfen kann:

Nur 6% der Unternehmen nutzen ihre Daten in vollem Umfang: Warum das ein Problem ist

Angesichts der beschriebenen Situation verwundert es nicht, dass nach der Bitkom Data Economy-Studie 2024 nur 6% der befragten Unternehmen sagen, dass sie ihre Daten wirklich souverän nutzen würden. 60% sagen jedoch, dass sie das Potenzial ihrer Daten weniger oder gar nicht nutzen würden.

Doch die fehlende Effizienz bei der Datennutzung ist nur eine Seite des Problems. Denn in einer schwachen Datenlage kommt ein weiterer Effekt hinzu: Das Bauchgefühl.

Wenn Anekdoten die Strategie bestimmen

Wenn die Daten wenig Rückschlüsse für Entscheidungen hergeben, ist häufig der Rückgriff auf anekdotisches Wissen eine typische Verhaltensweise. Dieses anekdotische Wissen speist sich jedoch meist nur aus punktuellen, subjektiven Erlebnissen, wie dem sprichwörtlichen „Mittagessen mit dem Schlüsselkunden“. Diese sind aber alles andere als repräsentativ – und: Der Rückgriff auf Anekdoten hilft selten, neue Trends und Verhaltensweisen im Kundenverhalten zuverlässig zu erkennen.

Man kennt das aus dem Alltag: Der Vertriebsleiter berichtet begeistert von einem Kundengespräch, in dem das neue Produktfeature euphorisch aufgenommen wurde. Das Produktmanagement interpretiert dies als Bestätigung der gesamten Produktstrategie. Drei Monate später stagnieren die Verkaufszahlen. Was ist passiert? Die Euphorie eines einzelnen Kunden wurde zur strategischen Wahrheit erklärt – ohne zu prüfen, ob diese Begeisterung repräsentativ für den gesamten Markt ist.

Anekdotisches Verhalten führt zu einem strategischen Blindflug. Ohne objektive Messung und fundierte Erkenntnisse werden Investitionsentscheidungen – sei es die Personalaufstockung im Service, die Entwicklung einer neuen Produktlinie oder die Anpassung der Preisstrategie – ohne faktische Grundlage getroffen. Man setzt auf Vermutungen statt auf validierte Daten.

Unternehmensmitarbeiter in einem informellen Meeting

Gespräche sind wichtig im Unternehmen – doch Anekdoten dürfen nicht die (alleinige) Entscheidungsgrundlage sein. 

Die Tücken der vorhandenen Daten

Und wenn vorhandene Daten selbst ohne Kontext und Interpretation verwendet werden, treten weitere Probleme auf. Denn wir müssen unsere Daten verstehen – und nicht, wie gerade so viele Software-Tools anpreisen, einfach „Daten erheben“. Bei der eindimensionalen Datenerhebung treten gerade für die Entscheidungsfindung typische Probleme auf.

Da ist zunächst die Falle der „Wohlfühl-Stichprobe“ oder von sogenannten “Vanity Metrics”. Der Vertrieb lädt oft nur die ohnehin zufriedenen Kunden zur Befragung ein. Dies führt zu strategischem Selbstbetrug, da kritische Warnsignale, beispielsweise das latente Abwanderungsrisiko bei wichtigen Kunden, systematisch übersehen werden. Ein Pharmaunternehmen etwa, das seine jährliche Kundenzufriedenheitsumfrage ausschließlich über die Außendienstmitarbeiter verteilen lässt, wird naturgemäß primär von den Ärzten hören, die ohnehin eine gute Beziehung pflegen. Die kritischen Stimmen, die eventuell bereits zur Konkurrenz abgewandert sind oder kurz davor stehen, bleiben unhörbar.

Viele Firmen messen zudem lediglich die Kundenzufriedenheit eindimensional ab („Wie zufrieden sind Sie?„). Wenn ein Wert sinkt, stehen sie jedoch vor einem Rätsel: Sie kennen die Treibergrößen, die Ursachen nicht. Wo muss operativ angesetzt werden? Ist es ein Problem mit dem Produkt, dem Preis, den Prozessen oder der Kommunikation?

Kundenzufriedenheit messung

Die eine Dimension der Messung reicht nicht – wir müssen die Treiber kennen. 

Ein Maschinenbauunternehmen stellt fest, dass der Net Promoter Score von 45 auf 32 gesunken ist. Alarmstimmung im Management. Doch niemand kann erklären, warum. Liegt es an der gestiegenen Lieferzeit? An der neuen Preisstruktur? An der Qualität der Ersatzteile? Ohne ein strukturiertes Treibermodell tappt man im Dunkeln – und riskiert, die falschen Stellhebel zu bedienen.

Hinzu kommt das Problem der Korrelation ohne Kausalität. Viele Unternehmen sehen in ihren Dashboards Zusammenhänge und interpretieren diese voreilig als Ursache-Wirkungs-Beziehungen.

Ein Softwareanbieter beobachtet, dass Kunden, die mehr Support-Tickets einreichen, eine höhere Abwanderungsrate haben. Die logische Schlussfolgerung scheint klar: Weniger Support-Tickets führen zu höherer Kundenbindung. Also wird der Support-Zugang erschwert. Das Ergebnis: Die Unzufriedenheit steigt weiter, weil das eigentliche Problem – eine unzureichende Produktqualität oder unklare Benutzerführung – nicht adressiert wurde.

Die Rolle der B2B-Marktforschung: Den Menschen in den Mittelpunkt stellen

Was also tun?

Bei aller Euphorie über datengetriebene Entscheidungen und Daten-Insights gilt es, wieder einen genaueren Blick über unsere Erkenntnisgewinne zu gewinnen – und die Möglichkeiten moderner B2B-Marktforschung genauer in den Blick zu nehmen.

Denn Marktforschung mit ihrer großen Methodenkompetenz bietet den Schlüssel für datengetriebene Entscheidungen.

Der Mensch steht im Mittelpunkt – auch im B2B

Dies gilt nicht nur aufgrund der statistischen Verfahren, die angewandt werden – sondern aus einem anderen, fundamentalen Grund: Eine gute B2B-Marktforschung denkt vom Menschen aus.

Denn auch im B2B-Geschäft werden Geschäftsentscheidungen nicht von Unternehmen, sondern von Menschen getroffen. Und deren Erwartungen, Bedürfnisse, Einschätzungen – diese sollten im Mittelpunkt unserer Forschung stehen. Und unsere Daten sollten diese menschlichen Erwartungen quantifizierbar machen – und nicht hinter Zahlen verschleiern.

Ein Beispiel: Ein Anbieter von Industriesoftware analysiert die Nutzungsdaten seiner Plattform und stellt fest, dass bestimmte Features kaum verwendet werden. Die naheliegende Interpretation: Diese Features sind nicht relevant und sollten eingestellt werden. Doch eine qualitative Befragung der Anwender zeigt ein anderes Bild: Die Features sind hochrelevant, aber die Benutzeroberfläche ist so komplex, dass die meisten Anwender nicht wissen, wie sie diese nutzen können. Ohne den direkten Dialog mit den Menschen hinter den Daten wäre eine falsche strategische Entscheidung getroffen worden.

Moderne B2B-Marktforschung kombiniert das Beste aus beiden Welten: Sie nutzt die Skalierbarkeit und Präzision digitaler Datenanalyse und verbindet diese mit der Tiefe und Kontextualisierung qualitativer Forschung. Sie fragt nicht nur, was Kunden tun, sondern warum sie es tun – und welche emotionalen und rationalen Beweggründe dahinterstehen.

Feature-Screen
Welches Feature wird wirklich benötigt? Marktforschung kann aufgrund von Feedback Antworten geben.

Methodische Feinheit als Differenzierungsmerkmal in der Marktforschung

Zudem steckt hinter vielen Kennzahlen eben mehr als nur ein Faktum – sondern Treiber, Gründe, Bewegungen, die zu dieser Kennzahl beziehungsweise zur Entwicklung angesetzt haben.

Hier setzt moderne B2B-Marktforschung als wissenschaftliches Diagnose-Instrument an. Sie transformiert vage Meinungen in steuerbare Kennzahlen, indem sie kausale Zusammenhänge aufdeckt. Sie beantwortet nicht nur das Was, sondern vor allem das Warum.

Die methodische Feinheit zeigt sich in mehreren Dimensionen:

Treiberbasierte Analyse statt eindimensionaler Messung:

Statt lediglich zu fragen „Wie zufrieden sind Sie?“, werden strukturierte Modelle entwickelt, die aufzeigen, welche Faktoren die Zufriedenheit tatsächlich beeinflussen. Ein Logistikunternehmen erfährt beispielsweise durch eine Treiberanalyse, dass nicht die Liefergeschwindigkeit (wie angenommen), sondern die Zuverlässigkeit der Lieferzeitfenster und die Kommunikationsqualität bei Verzögerungen die Haupttreiber der Kundenzufriedenheit sind. Diese Erkenntnis verändert die gesamte Investitionsstrategie: Statt in schnellere Fahrzeuge zu investieren, wird in bessere Tracking-Systeme und proaktive Kundenkommunikation investiert.

Repräsentative Stichproben statt Convenience-Samples:

Methodisch saubere Marktforschung stellt sicher, dass nicht nur die lautesten oder zugänglichsten Stimmen gehört werden, sondern ein repräsentatives Bild des gesamten Kundenstamms entsteht. Dies schließt bewusst auch kritische Kunden, ehemalige Kunden und sogar Nicht-Kunden ein, die wertvolle Perspektiven über Marktpotenziale liefern können.

Segmentierung für differenzierte Insights:

Nicht alle Kunden sind gleich. Moderne B2B-Marktforschung identifiziert relevante Kundensegmente und analysiert, ob und wie sich deren Bedürfnisse, Erwartungen und Verhaltensweisen unterscheiden. Ein Softwareanbieter stellt beispielsweise fest, dass Großunternehmen primär Wert auf Integration und Sicherheit legen, während mittelständische Unternehmen vor allem einfache Bedienbarkeit und schnelle Implementierung priorisieren. Diese Erkenntnis ermöglicht eine differenzierte Produktstrategie und zielgenaue Kommunikation.

Vom ROI-Mythos zur messbaren Wertschöpfung

Ein Hauptgrund für die mangelnde Investition in professionelle B2B-Marktforschung ist das Unwissen über ihren unmittelbaren Return on Investment. Forschung wird oft als reiner Kostenfaktor und nicht als essenzielles Diagnose-Instrument für die Unternehmensgesundheit betrachtet.

Dabei belegen zahlreiche Studien: Kundenzufriedenheit korreliert direkt und messbar mit Umsatzwachstum. Wer weiß, welche Faktoren die Loyalität und Kaufbereitschaft seiner wichtigsten Kunden wirklich antreiben, kann seine Ressourcen zielgerichtet einsetzen und ungenutzte Potenziale erschließen – gerade in Zeiten, in denen sich das Kundenverhalten radikal verändert.

Einige DAX-Konzerne wie zum Beispiel SAP, DHL oder Covestro haben diesen Trend schon erkannt – und nehmen beispielsweise den NPS zunehmend als Kennzahl in ihre jährlichen Geschäftsberichte auf. Dies ist durchaus ein Vorbild auch für den Mittelstand, der seit jeher eine stark kundenzentrierte DNA aufweist.

Konkrete Anwendungsfälle: Wie moderne B2B-Marktforschung Entscheidungen transformiert

Die wahre Kraft moderner B2B-Marktforschung zeigt sich in ihrer praktischen Anwendung. Lassen Sie uns anhand plausibler Beispiele illustrieren, wie wissenschaftlich fundierte Forschung strategische Entscheidungen auf ein solides Fundament stellt.

Fall 1: Produktentwicklung ohne Blindflug

Ein mittelständischer Maschinenbauer steht vor der Entscheidung, ob er 2 Millionen Euro in die Entwicklung einer vollautomatisierten Variante seiner Hauptproduktlinie investiert. Die interne Meinung ist gespalten: Das Produktmanagement argumentiert mit dem globalen Trend zur Automatisierung, der Vertrieb berichtet von vereinzelten Kundenanfragen, die Geschäftsführung ist skeptisch angesichts des hohen Investitionsvolumens.

Statt auf das lauteste Argument zu hören, entscheidet man sich für eine strukturierte Marktforschung. Durch eine Kombination aus quantitativer Befragung der bestehenden Kundenbasis, qualitativen Tiefeninterviews mit Entscheidern in Zielunternehmen und einer Max-Diff-Analyse zur Preisbereitschaft entsteht ein klares Bild: Ja, es gibt Interesse an Automatisierung – aber nicht in der geplanten Form. Die Kunden wünschen sich vielmehr eine modulare Lösung, die eine schrittweise Automatisierung erlaubt, statt einer vollautomatischen All-or-Nothing-Lösung. Zudem zeigt die Preisbereitschaftsanalyse, dass der kalkulierte Aufpreis von 40% vom Markt nicht akzeptiert wird.

Das Unternehmen passt seine Entwicklungsstrategie an: Statt einer vollautomatischen Lösung entwickelt man ein modulares Automatisierungssystem mit verschiedenen Ausbaustufen. Das Ergebnis: Innerhalb von 18 Monaten werden 47 dieser Systeme verkauft – mehr als doppelt so viele wie ursprünglich für die vollautomatische Variante prognostiziert. Die Investition in Marktforschung von 30.000-50.000 Euro verhindert nicht nur eine Fehlinvestition von 2 Millionen Euro, sondern ermöglicht ein Produktkonzept, das tatsächlich am Markt nachgefragt wird.

Fall 2: Kundenbindung durch Treiberidentifikation

Ein IT-Dienstleister mit 300 Unternehmenskunden kämpft mit steigenden Abwanderungsraten. Die Vermutung des Managements: Der Markt ist hart umkämpft, die Kunden sind primär preisgetrieben. Die logische Konsequenz wäre, die Preise zu senken und damit die Margen zu opfern.

Eine umfassende Kundenzufriedenheitsanalyse mit statistischer Treibermodellierung offenbart jedoch ein völlig anderes Bild. Der Preis rangiert lediglich auf Platz 5 der Relevanzfaktoren. Die wahren Treiber der Kundenbindung sind: erstens, die Reaktionsgeschwindigkeit bei Supportanfragen; zweitens, die Kontinuität der Ansprechpartner; drittens, die proaktive Kommunikation bei anstehenden Updates oder Problemen.

Diese Erkenntnisse führen zu konkreten operativen Maßnahmen: Der Support wird umstrukturiert mit dedizierten Account-Teams statt eines zentralen Ticket-Systems. Ein proaktives Monitoring-System wird eingeführt, das Kunden automatisch informiert, bevor Probleme kritisch werden. Ein Customer Success Manager wird etabliert, der regelmäßige Business Reviews durchführt.

Die Ergebnisse nach zwölf Monaten: Die Abwanderungsrate sinkt von 18% auf 9%, der Net Promoter Score steigt von 28 auf 51. Und das alles ohne Preissenkungen, die die Marge gefährden.

Fall 3: Marktsegmentierung für zielgenaues Marketing

Ein Hersteller von Labortechnik vertreibt seine Produkte bisher mit einem One-Size-Fits-All-Ansatz an Universitäten, Forschungseinrichtungen und private Labore. Das Marketingbudget von 400.000 Euro jährlich wird gleichmäßig auf alle Kanäle verteilt, die Conversion-Raten stagnieren.

Eine segmentspezifische Marktforschung mit 450 Entscheidern aus verschiedenen Institutionstypen bringt überraschende Erkenntnisse: Die Kaufkriterien, Entscheidungsprozesse und Informationsbedürfnisse unterscheiden sich fundamental zwischen den Segmenten. Universitäten legen höchsten Wert auf wissenschaftliche Publikationen und Peer-Empfehlungen, private Labore priorisieren ROI-Berechnungen und Effizienzgewinne, öffentliche Forschungseinrichtungen benötigen vor allem Unterstützung bei Ausschreibungen und Compliance-Fragen.

Auf Basis dieser Erkenntnisse wird die gesamte Marketing- und Vertriebsstrategie segmentspezifisch ausgerichtet: unterschiedliche Content-Formate für unterschiedliche Zielgruppen, angepasste Vertriebsprozesse, segmentspezifische Case Studies und Referenzen. Das Marketingbudget bleibt gleich, wird aber strategisch umverteilt.

Das Ergebnis nach einem Jahr: Die Gesamtzahl der qualifizierten Leads steigt um 34%, die Conversion Rate von Lead zu Auftrag verbessert sich von 12% auf 19%. Der durchschnittliche Auftragswert steigt um 23%, weil die Ansprache besser auf die spezifischen Bedürfnisse zugeschnitten ist.

Fall 4: Von der Autopsie zur Prognose

Ein Großhändler für technische Komponenten führt jahrelang vierteljährliche Kundenzufriedenheitsmessungen durch – klassische „Autopsie-Reports“, die zeigen, was in der Vergangenheit passiert ist, aber keine Orientierung für die Zukunft bieten. Die Berichte landen in Schubladen, konkrete Handlungsimplikationen bleiben aus.

Die Umstellung auf ein modernes, prädiktives Forschungsdesign verändert alles. Statt lediglich retrospektiv Zufriedenheit zu messen, wird ein Early-Warning-System etabliert: Welche Faktoren zeigen heute bereits an, dass ein Kunde morgen abwandern könnte? Durch die Kombination von Befragungsdaten mit Transaktionsdaten (Bestellhäufigkeit, Bestellvolumen, Produktdiversität) und Interaktionsdaten (Support-Kontakte, Website-Besuche) entsteht ein prädiktives Modell.

Dieses Modell identifiziert Kunden mit erhöhtem Abwanderungsrisiko bereits drei bis sechs Monate im Voraus – lange bevor die tatsächliche Abwanderung sichtbar wird. Die Vertriebsteams erhalten konkrete Hinweise, bei welchen Kunden proaktive Maßnahmen erforderlich sind und welche spezifischen Themen adressiert werden sollten.

Das Ergebnis: Die Vertriebseffizienz steigt deutlich, weil Ressourcen auf gefährdete Beziehungen fokussiert werden statt breit gestreut. Die Rettungsquote bei identifizierten Risikokunden liegt bei 67%.

Fall 5: Innovation durch systematisches Kundenfeedback

Ein Softwareunternehmen für Logistiklösungen hat eine klassische Produktentwicklung: Das Produktmanagement definiert Features basierend auf Technologietrends und internem Brainstorming. Die Akzeptanz neuer Features ist durchwachsen, viele werden kaum genutzt.

Die Einführung eines systematischen Customer-Insight-Programms revolutioniert den Entwicklungsprozess. Quartalsweise werden 200 Anwender zu ihren konkreten Herausforderungen im Arbeitsalltag befragt – nicht zu gewünschten Features, sondern zu Pain Points und Prozessengpässen. Zusätzlich werden monatlich mit 15-20 Power-Usern Tiefeninterviews geführt.

Diese Erkenntnisse fließen direkt in die Produktentwicklung ein. Statt zu fragen „Welche Features wollen Kunden?“, lautet die Frage nun „Welche Probleme können wir für unsere Kunden lösen?“ Ein Beispiel: Mehrfach wird in den Interviews erwähnt, dass die Kommunikation mit Spediteuren bei Lieferverzögerungen sehr zeitaufwendig ist. Statt wie geplant ein weiteres Dashboard zu entwickeln, wird eine automatisierte Kommunikationsfunktion implementiert, die bei Verzögerungen automatisch Spediteure und Empfänger informiert und alternative Lösungen vorschlägt.

Das Ergebnis: Die Nutzungsrate neuer Features steigt von durchschnittlich 34% auf 71%. Die Kundenzufriedenheit mit dem Innovationstempo steigt deutlich. Und: Die Entwicklungskosten sinken, weil weniger ungenutzte Features entwickelt werden.

Das Zielbild: Data-Informed statt Data-Driven

Die Beispiele zeigen: Moderne B2B-Marktforschung ist kein Luxus, sondern eine strategische Notwendigkeit. Sie ist das Bindeglied zwischen der Datenflut, in der viele Unternehmen ertrinken, und den echten Insights, nach denen sie dürsten.

Doch bei aller Begeisterung für datengetriebene Entscheidungen gilt es, eine wichtige Differenzierung zu treffen: Das Ziel ist nicht, „data-driven“ zu sein im Sinne einer blinden Datengläubigkeit. Das Ziel ist, „data-informed“ zu sein – also Daten und wissenschaftliche Methodik zu nutzen, um bessere, fundiertere Entscheidungen zu treffen, ohne dabei die menschliche Urteilskraft, Erfahrung und Intuition zu negieren.

Die neue Rolle der Marktforschung

In diesem Kontext wandelt sich auch die Rolle der B2B Marktforschung fundamental. Sie ist nicht länger eine isolierte Stabsabteilung, die sporadisch Studien durchführt. Sie wird zum kontinuierlichen Diagnose-Instrument, das permanent den Puls des Marktes misst und frühzeitig Signale für strategische Weichenstellungen liefert.

Diese neue Marktforschung zeichnet sich durch mehrere Charakteristika aus:

  • Kontinuität statt Einmaligkeit: Statt punktueller Befragungen etablieren führende Unternehmen kontinuierliche Feedback-Systeme, die permanent Erkenntnisse generieren und Veränderungen frühzeitig sichtbar machen.
  • Integration statt Isolation: Marktforschungsdaten werden nicht mehr in Silos aufbewahrt, sondern systematisch mit anderen Datenquellen verknüpft – von CRM über Transaktionsdaten bis hin zu Nutzungsdaten. Erst diese Integration ermöglicht ein ganzheitliches Bild.
  • Agilität statt Langsamkeit: Moderne Technologien ermöglichen es, Befragungen innerhalb weniger Tage durchzuführen und auszuwerten, statt monatelange Forschungsprojekte zu benötigen. Dies ermöglicht es, Marktforschung auch für operative Entscheidungen zu nutzen, nicht nur für strategische.
  • Demokratisierung statt Exklusivität: Insights werden nicht mehr in dicken Reports versteckt, sondern in benutzerfreundlichen Dashboards visualisiert und allen relevanten Entscheidern zugänglich gemacht. Jeder im Unternehmen kann auf die Erkenntnisse zugreifen, die für seine Entscheidungen relevant sind.

B2B-Marktforschung: Der Weg nach vorn

Die Wiederentdeckung der B2B-Marktforschung ist keine Rückkehr zu alten Zeiten. Es ist vielmehr eine Synthese: Die Kombination aus der methodischen Strenge klassischer Marktforschung mit den technologischen Möglichkeiten des digitalen Zeitalters und einem neu geschärftem Bewusstsein dafür, dass am Ende immer Menschen Entscheidungen treffen – auf Kunden- wie auf Unternehmensseite.

Für Unternehmen, die diesen Weg gehen wollen, bedeutet dies konkret:

  1. Akzeptieren Sie, dass Bauchgefühl und Anekdoten keine ausreichende Basis für strategische Entscheidungen sind. Schaffen Sie eine Kultur, in der datenbasierte Erkenntnisse systematisch in Entscheidungsprozesse einfließen.
  2. Investieren Sie in methodische Kompetenz. Professionelle Marktforschung ist kein Nice-to-Have, sondern ein Must-Have für erfolgreiche Unternehmensführung. Die Kosten für gute Forschung sind minimal im Vergleich zu den Kosten von Fehlentscheidungen.
  3. Denken Sie vom Menschen aus. Reduzieren Sie Ihre Kunden nicht auf Datenpunkte in einem Dashboard. Verstehen Sie ihre Bedürfnisse, Motivationen und Herausforderungen. Nutzen Sie Forschung, um Empathie zu skalieren.
  4. Etablieren Sie kontinuierliche Feedbackschleifen. Marktforschung ist kein Projekt, das man einmal durchführt und dann abhakt. Es ist ein permanenter Dialog mit Ihrem Markt.
  5. Verbinden Sie Disziplinen. Die besten Insights entstehen an der Schnittstelle von quantitativer Analyse, qualitativer Forschung, operativen Daten und menschlicher Interpretation.

Die Zeit ist reif für eine neue Ära der B2B-Marktforschung

Die Ironie der aktuellen Situation ist offensichtlich: Während Unternehmen über mehr Daten verfügen als je zuvor, treffen viele ihre wichtigsten Entscheidungen auf Basis von Anekdoten und Bauchgefühl. Die Lösung liegt nicht in noch mehr Daten, sondern in besseren Methoden, diese Daten in handlungsrelevante Erkenntnisse zu transformieren.

Moderne B2B-Marktforschung bietet genau das: Ein wissenschaftlich fundiertes, methodisch ausgereiftes und technologisch ermöglichtes System, um aus der Datenflut echte Insights zu destillieren. Sie stellt den Menschen in den Mittelpunkt, nutzt statistische Verfahren zur Validierung und liefert konkrete Handlungsempfehlungen statt vager Vermutungen.

Die Unternehmen, die in den kommenden Jahren erfolgreich sein werden, sind jene, die diesen Wandel vollziehen: Weg vom strategischen Blindflug auf Basis von Anekdoten, hin zu einer datenbasierten, aber menschenzentrierten Entscheidungskultur. Die Werkzeuge dafür stehen bereit. Es ist Zeit für die Wiederentdeckung der B2B-Marktforschung – nicht als verstaubte Disziplin aus vergangenen Tagen, sondern als unverzichtbares Diagnose-Instrument für die Zukunft.

Als Marktforschungsinstitut mit KI & Data Science-Kompetenz sind wir ein gefragter Ansprechpartner gerade auch für B2B-Unternehmen. Sprechen Sie mit uns über die Möglichkeiten für tiefere Insights – jetzt Termin vereinbaren 

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Inhaltsverzeichnis

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Verstehen Sie, was Ihre Mitarbeitenden bewegt, steigern Sie Engagement und schaffen Sie eine starke Unternehmenskultur.